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+BIRGIT BESSLER
Elemente eines großen Ganzen II*
Malerei und Fotografie
20. Januar bis 2. März 2007
„Die Eigenart des Waldes besteht darin, zu gleicher Zeit geschlossen und allseitig geöffnet zu sein.“ (nach Otto Friedrich Bollnow, Mensch und Raum (2000, 9.Aufl.), S. 218)#
Jeder kennt vom Spaziergang im Wald die Erfahrung von Umschlossenheit einerseits und einer Unendlichkeitsphantasien freisetzenden Offenheit andererseits. Nicht nur das Fließen der Grenzen ruft die etwas bedrängende Stimmung hervor, sondern die Gefangenheit des Blicks, wenn er schon nach wenigen Metern nicht mehr zwischen den Baumstämmen hindurch zu dringen vermag. Die fehlende Sicherheit des freien Blicks erzeugt Orientierungslosigkeit, man fühlt sich verloren und klein in der Unendlichkeit und Tiefe des Waldes. Gleichzeitig fasziniert gerade die Unbestimmtheit des Raums, die Stille, der Wechsel von Licht und Schatten. Die Lyrik beschwört dies in zahllosen Gedichten.#
Licht und Schatten, Raum, Durchlässigkeit des Blicks und dessen Blockade, die minimale Variation von Farben und Rhythmen sind Themen, die Birgit Bessler in ihrer Arbeit immer wieder fesseln. Der Wald ist eines ihrer wichtigsten Motive. Es ist nicht die Sicht auf den Wald, sondern die Erfahrung des in höchster Präsenz sich darstellenden Umgebenseins, die sich in ihren Bildern ausdrückt. Der Standort des Betrachters ist inmitten der Tiefe des Bildraumes. Nahezu immer fehlt ein Horizont, der Blick wird zurückgeworfen. Die Kompositionen gehen bis an den Bildrand - kein Zentrum, keine Ränder oder Grenzen; sie scheinen gar über sich hinaus zu wachsen wie Ausschnitte oder Elemente eines großen Ganzen./
Die ersten Linien oder Umrisse werden frei und ungeplant auf die Leinwand gelegt. An ihnen entwickelt sich der gesamte Verlauf des Bildes, stets angelegt von links nach rechts, als Produkt der Erinnerung. Phantasie aus erinnerter Anschauung. Durch die Einfachheit und Klarheit der Komposition und die reduzierte Farbigkeit gelingt es Bessler, die Spannung zwischen Ordnung und Chaos, Harmonie und Dissonanz auszubalancieren, ohne das eine oder das andere zu negieren. Jede Arbeit greift nur auf eine minimale Farbpalette zurück, deren Abstufungen, häufig in kaum merklichen Nuancen, nebeneinander liegen. Nur eine einzige Farbschicht liegt auf der Leinwand, der Bildträger bleibt an vielen Stellen sichtbar. Der Grundton ergibt sich aus der jeweiligen sinnlichen Qualität, die Bessler zu evozieren sucht.#
Birgit Bessler wurde 1973 in Borken an der holländischen Grenze geboren. Sie studierte von 2000-2004 Freie Kunst bei Udo Scheel und Ulrich Erben an der Kunstakademie Münster und war bis 2005 Meisterschülerin bei Erben. Seit 2007 lebt und arbeitet sie in Brande bei Hamburg.