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Ausstellung

"Mädchen" – Ausstellung in Hamburg

"Mädchen"
+HANNA NITSCH*
Mädchen
12. Oktober – 10. November 2007

Hanna Nitsch malt Kinder, sehr häufig ihre eigenen. Die Annährung an das Thema „Kind“ mag uns als Betrachtern einfach erscheinen. Was wir dabei jedoch nicht berücksichtigen, sind die vielen Klischees, die diesem Thema anhaften. Zudem hängt das, was wir heute unter „Kind“ verstehen, vielfach von dem Kontext ab, in dem wir diesen Begriff gebrauchen: Kinderlosigkeit – Kindermörder – PISA – Kinderüberraschung, ...
Ein Blick auf die Tuschmalerei von Hanna Nitsch genügt, um erkennbar werden zu lassen, dass diese Kinder von derlei Kontextualisierungen losgelöst erscheinen. Trotz der oft eigenwillig fließenden Tuschtechnik und dem Ton, eine Summe vieler Farben von Blau-, Ocker- und Rottönen, den die Künstlerin der menschlichen Haut verleiht, haben ihre Papierarbeiten nichts Kitschiges oder Süßliches an sich. Das Inkarnat und auch die Gesichter bezeugen vielmehr den höchst sensiblen Umgang mit den Figuren, „die nicht dem Kindchen-Schema verhaftet sind, sondern „präsent, offen und deutlich individualisiert gezeigt werden“ (Janneke de Vries/Kunstverein Braunschweig). Im Spannungsverhältnis zur sensiblen Gestaltung der Hauttöne und der Gesichter, steht die Farbgebung der Kleidung. Durch die starken Farbkontraste von Rot, Türkis, Blau und Magenta, zu dem vielfach eingesetzten Umbratönen, erzeugt die Künstlerin eine glühende bisweilen schrille Farbigkeit. Die zerfließenden Konturen lassen dabei zusätzlich die Figuren wie losgelöst erscheinen. Sie scheinen zu fliegen, zu gleiten oder zu schweben und verharren so in einer Art Taumel zwischen kindlicher Verletzlichkeit, Lolita-Syndrom und menschlicher Abgründigkeit. Durch die extremen Perspektive, gekennzeichnet durch starke Auf- und Nahsichten, wirft die Künstlerin andererseits Fragen auf, die um Machtverhältnisse, Ausgeliefertsein, Schuld und Unschuld kreisen. Dabei gelingt es ihr, den Betrachter in die Position des Beobachters zu versetzen. Dort kann er sich den Wirkungen dieser Bilder kaum entziehen. Vom Außenstehenden wird er selbst nun zum Teilnehmer, zu einem Teil des Spiels, das Kind ebenso wie Künstlerin spielen.

Marcus Körber

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