Diese Veranstaltung ist bereits beendet.
Nach fast 25 Jahren präsentiert die Galerie Eva Poll erstmals wieder das Werk Walter Gramattés, eines bisher nur eingeweihten Kunstinteressierten bekannten Berliner Spätexpressionisten. Der Maler und Graphiker hinterließ trotz seines frühen Todes ein umfangreiches und dichtes Oeuvre.
1897 in Berlin geboren, fand die Kindheit Walter Gramattés mit der Meldung als Kriegsfreiwilliger 1914 ein abruptes Ende. Ein knappes Jahr später wurde er, gesundheitlich geschwächt, vorzeitig aus dem Kriegsdienst entlassen und begann ein Studium der Malerei an der Königlichen Kunstschule des Kunstgewerbemuseums Berlin.
1920 heiratete Gramatté die russische Komponistin und Pianistin Sophie-Carmen Fridman. Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel wurden seine Freunde. Die Nähe zur Kunst der Brücke und seine gleichzeitige Unabhängigkeit von ihr und der ersten Expressionistengeneration sind charakteristisch für sein Werk. In zahlreichen Bildmotiven griff er die psychischen und physischen Verletzungen einer ganzen Generation und seine eigene Krankheit in intensiver Bildsprache auf. Düster und fast farblos zeigt sich Gramattés Frühwerk. Es entstanden hauptsächlich Kaltnadelradierungen, die nach seiner eigenen Beschreibung für ihn eine Möglichkeit der Entladung seiner ungeheuren seelischen Spannung bedeuteten.
Beinahe einziges Thema seines graphischen Schaffens war das Porträt. In seinen Selbstporträts spiegelt sich die marternde Erforschung der eigenen Person - ein Sinnbild ständiger Suche. Die 21 Arbeiten umfassende Lithographieserie "Selbstbildnis mit Häusern" (1923) zeigt diese Suche in all ihrer Konsequenz und künstlerischen Ausdruckskraft. Sie wird parallel in der Kunststiftung Poll, Gipsstraße 3, 10119 Berlin erstmals komplett ausgestellt.
Nach der Übersiedlung des Ehepaares Gramatté 1924 nach Spanien wandte sich der Künstler verstärkt dem Aquarell zu. Der Süden brachte eine Aufhellung vormals dunkler Farben, sein bevorzugtes Sujet war die Landschaft, wohl auch in der Hoffnung auf "Befreiung" von Schwere und Leiden. Schon 1926 kehrte das Paar nach Deutschland zurück. Gramatté mußte sich immer wieder in Kliniken behandeln lassen. Sein künstlerisches Schaffen trat in den Hintergrund. Er widmete sich erfolgreich den Ausstellungen seiner Arbeiten.
Am 9. Februar 1929 starb Walter Gramatté, erst 32-jährig, an Darmtuberkulose.
Das Werk des Spätexpressionisten geriet nach einer Gedächtnisausstellung 1932 zunächst in Vergessenheit. Erich Heckel, der Gramatté für einen der wenigen legitimen Nachfolger der Brücke hielt, und Karl Schmidt-Rottluff gehörten zu den Initiatoren der letzten großen Ausstellung des Künstlers in Berlin (Brücke-Museum, 1968), auf die 1982 eine Präsentation von Selbstporträts des Künstlers folgte.
Die Galerie Eva Poll möchte mit ihrer Ausstellung den Berliner Gramatté seiner Stadt wieder ein Stück näher bringen.