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FLUERE
(Lat. fließen, strömen, rinnen; sich ausbreiten; Anklang finden)
„Was immer Du siehst, rinnt mit der Zeit.
Nichts von dem, was wir sehen, bleibt stehen.
Während ich sage, alles ändere sich,
habe ich mich selbst verändert.“
Seneca
Die Schönheit in allem Fließen und Ergießen, im Verweilen und Vergehen – das Festhalten flüchtiger und zerrinnender Momente, der Augenblick des Übergangs von einem Zustand in einen anderen, Reifungsprozesse und spontane Verwandlungen: Das zentrale Thema von Fluere spiegelt das Leben aus drei unterschiedlichen Sichtweisen – einer voyeuristischen, einer experimentellen und einer empathischen. Daraus entstanden Fotografien und Lehnen aus Licht: Martha Schlüter gewährt Einblicke in ihre geheime Verbindung zu einer Bank, die sie nebst der wechselnden „Be-Sitzer“ seit 25 Jahren fast täglich mit ihrer Kamera ins Visier nimmt – immer aus dem gleichen Fenster. Keine der Aufnahmen ist ein Abziehbild der anderen, trotz immer wiederkehrender Situationskomik und einander ähnlicher Tragödienplots: alles sind Erscheinungen, die vorüber gehen.
Sitzmöbel sind es auch bei Patricia Scherer, denen eine tragende Funktion zukommt. Die Künstlerin installiert ihre Motive als Stuhllehnen und inszeniert sie mit Licht. Menschen und Objekte in Bewegung haben jetzt scheinbar einen festen Platz – und doch sind sie jederzeit austauschbar.
Kurt Führer widmet sich mit Geduld und Empathie dem Werden, Sein und Vergehen der Natur, die in jeder dieser Phasen ihre Blüten als (Un)Wesen treibt. Verfallenes zeigt sich nicht nur in seiner Farbenpracht von berührender Schönheit, sondern auch überaus lebendig: Welkende Stiele erwachen als tanzende Elfen und Morisken zu neuem Leben, bis eine Selleriescheibe als Totenmaske zur Besinnung anmahnt.