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Ausstellung

Claire Morgan. The Slow Fire – Ausstellung in Köln

Claire Morgan. The Slow Fire
Die Galerie Karsten Greve widmet der 1980 in Belfast geborenen Künstlerin Claire Morgan mit „The Slow Fire“ die zweite Einzelausstellung in Köln. Die aktuelle Präsentation umfasst raumgreifende Installationen -teils frei schwebend, teils in Vitrinen-, sowie begleitende Zeichnungen und Studien.

In ihren Werken inszeniert Claire Morgan dramatische Interaktionen zwischen Tier und Natur. Dabei gebraucht sie einen Naturbegriff, der von ihrem ausgeprägten Umweltbewusstsein durchdrungen ist und den schonungslosen Umgang des Menschen mit den Ressourcen des Planeten beinhaltet. Ich untersuche Situationen, in denen die Natur auf Herausforderungen reagiert, die durch uns und unsere Nebenprodukte verursacht werden. (Morgan)

Protagonisten von Morgans Szenarien sind von ihr fachkundig präparierte Tiere, die –auch stellvertretend für den Menschen– in der Gegenüberstellung mit ihrer Umgebung die Wechselbeziehung zwischen Lebewesen und Habitat als äußerst fragiles System veranschaulichen.
So steht in Bound (2014) eine Rabenkrähe vor einer großen Kugel, die wie eine überdimensionierte Blume von zart durchscheinender, vielfarbiger Qualität erscheint. Jedoch sind deren „Blütenblätter“ bunte Fetzen aus Polyurethanfolie, so dass die Blume letztlich eine Verwertung von Plastikmüll ist. Claire Morgan verleiht dieser Begegnung eine schicksalhafte Konnotation, die der Titel „bound“ (=festgebunden, gefesselt) verstärkt und die Beziehung zwischen Mensch bzw. Tier und Umwelt symbolisiert. Jedoch bildet Morgan keineswegs Schreckensvisionen ab, sondern stellt vielmehr Szenarien stiller Schönheit dar, welche die Wiederherstellung harmonischer Einheit zwischen Natur und Kultur, Tier und Umwelt zu verkörpern scheinen.

In ihren ausgewogenen, ätherisch wirkenden Installationen und Szenarien umgibt Morgan die Tierpräparate mit mathematisch genau berechneten Polygonen und Kugeln, sowie architektonisch anmutenden, symmetrischen Einheiten. Es sind hauchzarte Gespinste, die allesamt aus lichtdurchlässigen und schwerelosen Materialien wie Pusteblumensamen, Fruchtfliegen oder zerrissener Kunststofffolie gefertigt und auf feine Nylonfäden gezogen werden. Diese überempfindlichen Konstruktionen sind von Morgan meist wie schwebende Käfige oder Sphären angelegt, welche die Tiere oft wie in einem märchenhaften Dornröschenschlaf sanft umfangen.

Die hochästhetischen Arrangements von Morgan veranschaulichen sowohl das Konfliktpotenzial, das in der Auseinandersetzung mit einer nunmehr künstlich geprägten Umwelt gegeben ist, als auch die Möglichkeit der gleichberechtigten Koexistenz von Natur und Kultur. Zugleich schließt Morgans Naturbegriff den natürlichen Kreislauf zwischen Leben und Tod, Werden und Vergehen ein. So können vor dem Hintergrund der ausgeprägten Sensibilität der Künstlerin für ökologische Phänomene und des von ihr gewählten Ausstellungstitels The Slow Fire ihre Werke als zeitgenössische Vanitas Darstellungen aufgefasst werden. Mit slow fire beschreibt der US-amerikanische, 2008 verstorbene Schriftsteller David Foster Wallace in seinem jüngsten, posthum veröffentlichten Roman The Pale King die Vorstellung, dass alles eitel und nichtig sei, die Claire Morgan aufgreift: …dass wir nichts sind, dass unsere einzige Sicherheit als Individuen eine unbestimmbare Lebensdauer und der anschließende Tod ist. (Morgan)


In Hangover (2014) sitzt ein täuschend lebensechter Rotfuchs stolz aufrecht, der glänzende buschige Schweif elegant um den Körper gelegt. Über dem prächtigen Tier hängt ein tiefschwarzer Kasten, einem drohenden Unheil gleich, der sich bei näherer Betrachtung als dichte Ansammlung unzähliger Schmeißfliegen herausstellt. Die Doppeldeutigkeit des Titels „Hangover“, dessen herkömmliche Bedeutung „Kater“ die unvermeidliche Ernüchterung nach dem Rausch bezeichnet und im Wortlaut „hang over“ „darüber hängen“ meint, lässt sich auf eine metaphorische Ebene übertragen: die unumgängliche Konfrontation mit dem Tod. Jedoch bleibt die unmittelbare Aktion aus, stattdessen verharren beide Positionen im Stillstand, die spannungsvolle Gegenüberstellung weicht einem stimmungsvollen Gleichgewicht, in dem die Zeit angehalten zu sein scheint. Die Gegensätze Natur-Kultur, Leben-Tod, Leib-Seele sind in Einklang gebracht und vermitteln eine ganzheitliche Auffassung des Daseins zwischen irdischer Existenz und Transzendenz.

Morgans Werke erweisen sich allesamt als kontemplative Kompositionen, in denen die Bewegung der Lebewesen angehalten wird um eine spirituelle, geistige Dimension jenseits der unmittelbar erfahrbaren Materialität zu eröffnen.

Claire Morgan erhielt 2004 den Annual Bursary Award der Royal British Society of Sculptures, den Roy Noakes Award der Royal British Society sowie 2006 den Premio Fondazione Arnaldo Pomodoro der Fondazione Pomodoro in Mailand. Neben ihrer Beteiligung an zahlreichen internationalen Gruppenausstellungen, u.a. 2009 im Palais de Tokyo, Paris und 2010 im Museum of Arts and Design, New York, ist Claire Morgan eine Vielzahl internationaler Einzelausstellungen gewidmet, u.a. in Belfast, London und Paris. 2014 -15 findet eine umfassende Präsentation ihrer Werke im Osthaus Museum, Hagen, sowie im Stadtmuseum Jena statt.


Für weitere Information kontaktieren Sie bitte die Galerie: info@galerie-karsten-greve.de

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