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Mary Bauermeister ist eine der vielseitigsten und schillerndsten Figuren der amerikanischen und deutschen Nachkriegskunstszene. Erst 2011 hat sie mit ihrer Biografie „Ich hänge im Triolengitter. Mein Leben mit Karlheinz Stockhausen“ für Furore gesorgt. Die international bekannte Künstlerin hatte zahlreiche Einzelausstellungen im In- und Ausland, war bei vielen Gruppenausstellungen und ist in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen (u.a. im MoMa, Museum Ludwig) vertreten. In den frühen 60er Jahren wurde ihr Kölner Atelier zur Geburtsstätte der Fluxusbewegung. 1962 zog es sie in die USA, wo sie im Umkreis von Marcel Duchamp, Jasper Johns und Robert Rauschenberg sehr erfolgreich arbeitete. Ab den 70er Jahren verlegte sie ihren Lebensmittelpunkt wieder ins Rheinland, wo sie bis heute lebt und arbeitet.
Für das Bonner Frauenmuseum Grund genug, Bauermeister eine große Retrospektive zu widmen: „Mary Bauermeister – Kulturgewächs – Spektrum über 60 Jahre“ zeigt ab dem 22.4.2012 bis zum 19.8.2012 den ersten Teil des dreiteiligen Ausstellungsprojekts „DAS GRÜNE HAUS“.
Am 6.5. bis 19.8.2012 folgt Teil 2: „Den Verwandten: Tiere & Pflanzen“. Teil 3 ab 2.9 bis 11.11.2012 ist dann mit „Raum + Bau. Die Rationale III zu Architektur und Städtebau“ überschrieben. Schirmherrin der Ausstellungen ist Ute Schäfer (Kulturministerin NRW).
Die Retrospektive ist der Auftakt zu dieser Trilogie und zeigt die Vielseitigkeit von Bauermeisters Œuvre. Ihr lebenslanges Schaffen spiegelt den Zusammenhang zwischen konzeptionellem Denken, Natur, Kunst und Musik wider. Es spannt einen Bogen durch das Reich aller Sinne. Die Besucher der Ausstellung erleben ihr Denken, Planen und Konstruieren in Zeichnungen, Schriften und Tagebüchern, die auf verschiedenste Weise weiterverarbeitet wurden: in Materialbildern, Objektkästen, Dokumentationen von künstlerisch-musikalischen Prozessen und Installationen mit Textilien, Steinen, Glas und Naturmaterialien.
Aus Erdmassen erheben sich Steine zu Steinbildern; beschriftete Kürbisse und Fundstücke aus der Natur formen sich zu Installationen. Das neueste „Steinbild“ (2011) ähnelt „Stone Progression“ (1963 Sammlung MoMa, New York). Im Frauenmuseum wird auch die Steintreppe „Flüchtender Horizont“ (1986) zu sehen sein.
Aus der Werkgruppe der Objektkästen werden ihre hochkomplexen Arrangements gezeigt, die verdeutlichen, wie akribisch die Künstlerin die Welt in ihrer Ganzheit zu ordnen und zu systematisieren versucht. Hierbei geht es Bauermeister auch immer um die zentrale Frage „Was können wir tun?“ In den Boxen werden universale, philosophische und politische Fragen mittels Schriften, Zeichnungen sowie Lupen, Linsen und Naturmaterialien künstlerisch gestellt und bearbeitet.
Bauermeisters Textile Arbeiten, die auch gesellschaftspolitisch deutbar sind, zeigen sich in Lichtinstallationen mit Stoffcollagenkästen, „Flickenkleider“, „Totenhemden“ (1963) und verschieden großen Ankh-Engelgestalten. Die Ausstellung zeigt die Entwicklung von der Zeichnung, dem Nähbild über den umbauten Kasten bis zum Linsenkasten und den Wandskulpturen.
In einem weiteren Schwerpunkt zeigt die Bonner Ausstellung Bauermeisters Arbeiten mit Holzstaffeleien. Sie hebt deren Funktion auf, verformt, vergrößert und spiegelt sie. Den Zusammenhang zwischen diesen und ihren Lichttüchern wird sie in einem Spiegelkabinett zeigen, das erstmals in Amsterdam 1969 ausgestellt wurde.
Eine Mediadokumentation zeigt Filme und Fotos der Fluxusbewegung aus der Kölner Zeit im Atelier Lintgasse. Musik bildet die geistige Grundlage zu vielen Aktionen, Aufführungen und Werken. Mary Bauermeister hat sich seit ihrer Kindheit intensiv mit Musik auseinandergesetzt. Die Beziehung zu Karlheinz Stockhausen und die Freundschaft mit heute berühmten, avantgardistischen Künstlern zu Beginn ihrer Schaffensperiode führt sie zur intensiven Auseinandersetzung mit zeitgenössischen experimentellen Strömungen. Die „Malerische Konzeption“, eine Partitur für Künstler aller Genres, hat sie im Kompositionskurs bei Karlheinz Stockhausen 1961 erarbeitet. Das Werk bildet fortwährend einen Fundus zur Weiterentwicklung ihrer Arbeit.
Bauermeisters Beiträge zur Ausstellung „Tiere und Gewächse“ zeigen vor allem ihre Auseinandersetzung mit Naturmaterialien, gezeigt wird u.a. das Werk „Howevercall“ und weitere „Ready Trouveès“.
Ihr Beitrag zur „Raum + Bau. Die Rationale III zu Architektur und Städtebau“ erweitert den Blick auf ein weiteres zentrales Thema der Künstlerin: Zeichnungen, Malereien, Fotografien und Modelle zur Architektur von Gärten, Häusern und skulpturaler Gartengestaltung. Mary Bauermeisters Werke werden hier den Blick der Besucher aus dem inneren musealen Bereich zum Außenbereich auf die Dachterrasse und den Innenhof des Bonner Frauenmuseums lenken. Elemente aus ihren Wassergärten und Gartenanlagen schließen damit den Kreis der Einblicke in ihr außergewöhnliches künstlerisches Schaffen.
Wir danken der NRW-Kulturministerin Ute Schäfer und der Stadt Bonn für die Förderung.
PROGRAMM ZUR VERNISSAGE:
Begrüßung: Marianne Pitzen, Direktorin Frauenmuseum und Gamma Thesa Terheyden, Kuratorin
Grußwort: Bernhard von Grünberg, MdL
Einführung: Dr. Wibke von Bonin, Kulturjournalistin
Musik: Prof. Michael Faust, Querflöte; Detlev Weigand, Gong/Percussion; Mary Bauermeister, Echorohr
Premiere des Films “Die Künstlerin Mary Bauermeister” von Christoph Felder
PROGRAMM ZUR AUSSTELLUNG:
17. Juni, 15 Uhr
Lesung mit Mary Bauermeister aus ihrem Buch „Ich hänge im Triolengitter“ Mein Leben mit Karlheinz Stockhausen. Moderation Elke Heidenreich; am Klavier Marc Aurel Floros.
22. Juli, 15 Uhr
„Hommage an Mary“ mit Lesungen, Filmen und Musik mit Hans Bruncken, Gisela Saur-Kontarsky, Gregor Zootzky und weiteren Künstlern.
19. August 2012
Finissage
Führungen durch die Ausstellung und Exkursionen zum Haus von Mary Bauermeister für Kinder und Erwachsene auf Anfrage unter 0228 69 13 44.
ÖFFNUNGSZEITEN: Di – Sa 14 bis 18 Uhr; So 11 bis 18 Uhr