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Ausstellung

Empire – Ausstellung in Hamburg

Empire
Empire

Frederic Spreckelmeyer formuliert einen
Bildkosmos der ganz eigenen Art. Auf der
einen Seite zelebriert er  eine Hommage
an die Geschichte der Kunst, auf der
anderen Seite behauptet er mit
schrankenloser Unabhängigkeit die
individuelle Verortung seiner Bilder in
der Gegenwart - mit erstaunlicher
Unabhängigkeit und einer individuellen
Geste, die eine genaue Kenntnis der
Themen, die er zitiert, verrät.


Dieser scheinbare Widerspruch ist eine
Voraussetzung seiner Kunst, deren
oberstes Ziel es ist, Historisches in
einen technoid und surreal anmutenden
Bildkontext zu transformieren.
Vergangenes transportiert er in die
Gegenwart, er bestimmt Sinn- und
Handlungskontexte neu, logisch, kausal,
oder lässt sie, nur formal verbunden,
nebeneinander bestehen. Und zwar so,
dass kein Bruch, sondern allenfalls
logische Leerstellen entstehen, die der
Betrachter mit eigenen Botschaften
füllen kann. Wer das nicht will, belässt
sie wie sie sind und genießt den
formalen Reichtum der Bilder: die
leuchtende, aber wohl dosierte Farbe,
den schwungvollen und dennoch
disziplinierten Bildaufbau oder das
Wechselspiel von Fülle und Leere, das
spielerischen Freiraum verspricht und
den Betrachter vor didaktisierendem
Zugriff schützt.    

Nicht zu verkennen ist des Künstlers
Begeisterung für die Genres und
Stilmittel des Barock.  Historienbild
und Repräsentationsportrait, christlich
religiöse und antike Fragmente gehen
Cross-Over Verbindungen mit technoiden
und nostalgischen Sammlerstücken ein.
Individuell subjektive Setzungen für
historische Zusammenhänge stellen beide
Komponenten dar: die kunsthistorische
und die phantastisch erscheinende Seite
im Spreckelmeyerschen Bilderkosmos. Die
Verschmelzung von Hoch- und
Alltagskultur, ein Zeichen der
Postmoderne, die angesichts
globalisierter massenmedialer Vernetzung
trennende Wertungen beiseite fegt, ist
ein integrierter Bestandteil in
Spreckelmeyers Kunst, so dass ein
schwebender Reiter kombiniert mit
knalligen Neonelementen durchaus keinen
Gegensatz darstellt, sondern eine so
selbstverständliche Verbindung eingeht,
wie die Begegnung von Regenschirm und
Schreibmaschine auf dem Seziertisch der
Surrealisten.

Anthropomorph technoide Objekte,
Schriftzüge als Reminiszenzen an die
Graffitiszene, heraldische Embleme,
Weltkugeln mit Neonröhren bekränzt
balancieren in fragilem Gleichgewicht.
Mythologische Gestalten, die
 verstoßenen Rebellen treten dazu:
Sysiphos, dem Tod geweiht, Prometheus in
Ketten, lebenslang zu unmenschlicher
Pein verdammt. Über allem schwebt ruhig
ein Firmament: Wolkenberge,
Sternenhimmel, Galaxien oder einfach ein
unfassbar unendlicher Raum, angedeutet
in Schichten lasierender Ölfarbe,
transparent, präzise, penibel, bisweilen
hingewischt oder flüchtig skizziert.
Illusionistisches steht neben dem
Fragment und die Malweise skandiert im
Grad der Präzision die Relevanz des
Motivs. Mit Meisterschaft zieht der
junge Künstler die Register der
konventionellen und modernen Malerei.

In arabesken Standbildern verharren
Figuren, bereit zu Himmelfahrt und
Höllensturz. Brilliant betont die Farbe
die Wertigkeit kostbarer Materialien,
während der Lichteinsatz Dramatisches
verheißt. Doch bevor die Welt zur Hölle
fährt, verleiht Spreckelmeyer ihr einen
leicht ironischen Unterton. Um die
Gegenwart, auf die er mit seinen Bildern
zielt, zwar als gefährdet zu
deklarieren, ohne sie jedoch der
Verdammnis preisgeben zu wollen.
Opulent mutet diese Bildsprache an, und
das ist sie auch, ohne sich jemals in
narrativem Pathos zu verlieren. Denn
Spreckelmeyer ist ein großer Erzähler
tradierter Themen und zeitgenössischer
Geschichten, die sich aus leer gemalten
und neu konstruierten ikonografischen
Fragmenten speisen.

Christiane Dressler

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