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Philippe Pasqua agiert spontan und direkt vor seinen großen Bildfeldern. Das fortwährende Thema sind das menschliche Gesicht, der menschliche Körper; Körper und Gesicht interes-sieren ihn gleichermaßen wegen ihrer Aussagekraft über die Person, die ihre Träger sind. Das Werk von Pasqua erscheint spontan und direkt, ist aber gekonnt und kalkuliert ins Format gesetzt: Seine großformatigen Porträts besetzen fast die gesamte Bildfläche allein mit dem menschlichen Gesicht, und seine Figuren, die posieren und sich präsentieren, sind ebenfalls Format füllend und das Format gelegentlich sprengend angelegt. Pasquas Blick ist einer, der an den Erfahrungen der modernen Fotografie und des Kinos geschult ist; spontan und schnell in der Bewegung des Malens erfasst, sitzen die Dargestellten im Format.#Über die Jahre der Arbeit finden sich immer wiederkehrende Figuren in diesen Bildern. Ar-naud etwa, der seine Behinderung stolz im Porträt zur Schau trägt; Constance, die als Akt-modell ohne Scheu posiert, in all den Positionen, die das klassische Aktporträt zulässt ebenso wie in jenen Posen, die erotischen Magazinen entnommen sind. Auch die Befragung des eigenen Bildnisses in den wiederholten Selbstporträts ist bei Pasqua unübersehbar. Solche Annäherungen an das Bildnis sind nur zu erklären aus dem unmittelbaren Schauen des Künstlers, aus seinem Interesse am Gegenüber, seiner Lust an der Konfrontation und der Gegenüberstellung mit dem gesehenen und formulierten Bild des Anderen. Das schließt auch das eigene Bildnis mit ein: Denn was der Künstler sieht, im Spiegel, im Foto, in vorbereitenden Zeichnungen, das findet sich transportiert im großen Porträt, anders gesehen und sich selbst fremd, wieder.#Pierre Restany hat 2001 in einem Text über Philippe Pasqua davon gesprochen, dass dieser in seinen Bildern einen grundsätzlichen "Humanismus" verfolgt, eine "Art und Weise, sich frei zu fühlen". Der betrachtende Künstler ist nicht allein Voyeur, nicht nur interessiert Sehender, sondern einer, der den anderen sieht, den Menschen, der ihm gegenübersteht, und ihm eine große, spontane und überraschende Form setzt. Alle seine Figuren, selbst die Rückenfiguren, sind uns zugewandt gedacht; in der Regel forcieren die Porträtköpfe den Blick aus dem Bild heraus und haben uns voll im Blick, verweigern den Blick nur selten durch das Senken der Augen.#Zeichnerisch und malerisch ist Pasqua eine überraschende Position, eine, die sich – vielleicht auch, weil der Künstler autodidaktisch gebildet ist – wenig um Traditionen und Konnotationen mit zeitgenössischer Kunstpraxis kümmert. Unbekümmert, selbst erschaffen, von hohem malerischem Vermögen getragen formuliert er seinen Blick auf die Welt. "Die Botschaft von Philippe Pasqua ist eine Lehrstunde über die Freiheit in der Malerei." (Pierre Restany, 2001)#Ulrich Krempel