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Ein häufiges Motiv der Gemälde der in Hamburg lebenden Malerin Ergül Cengiz sind große Menschenmengen und das unübersichtliche Gewimmel umherstreunender Tieren wie Hunde, Katzen, Ratten oder Vögel. In dem sie bei der Organisation dieser Bilder durch Reihung und Verzicht auf tiefenräumliche Perspektivenwirkung die einzelne Figur in die Anonymität des Rapports überführt, verdichten sich die häufig in düsteren Ölfarben gemalten Motive von Ergül Cengiz zu abstrakten, wie ornamentale Arabesken über die Bildfläche rankenden Muster, in denen sich Figuration und Abstraktion harmonisch verbinden. Geprägt durch ihre türkische Herkunft und durch ihre langjährige intensive Auseinandersetzung mit der islamischen (Nicht-)Tradition der figurativen Malerei, positioniert sich die Künstlerin mit diesen Gemälden bewusst zwischen der Kunsttradition des Westens und der der islamischen Welt. Denn dort, wo im Westen traditionell mit narrativen Bildfolgen die Heilsgeschichte illustriert wird, steht in der osmanischen Moschee das Ornament als abstrakte Versinnbildlichung der Suren des Korans. In den in letzter Zeit vor allem in kleinen Formaten entstandenen Bildern verbindet Ergül Cengiz persönliche Eindrücke, eigene fotografische Vorlagen sowie Motive aus Büchern wie etwa dem Bildband „50 Jahre Pressefotografie“. Indem sie den Vorder- und Hintergrund ihrer auf diese Weise wie collagiert wirkenden Bildmotive in eine Ebene projiziert, verzichtet sie so weit wie möglich auf die narrative räumliche Wirkung ihrer Vorlagen zugunsten einer flächigen Lesbarkeit der in einem permanenten Schwebezustand gehaltenen Bildkompositionen, die sowohl als abstraktes Ornament als auch als figürliches Bild wahrgenommen werden können. Dass Muster und Grund sich dabei häufig malerisch überlappen und durch Leerstellen in der pastosen Textur der Maloberfläche einen flimmernden Effekt erzeugen, verstärkt den Eindruck der Rätselhaftigkeit und inneren Ge-bzw. Verschlossenheit dieser Bilder. #Philipp Ziegler##+www.3hamburgerfrauen.de*#Bild: Ergül Cengiz, Mustertauben, 2007, Öl auf Nessel, 24 x 30 cm.